Aufruf zur Demo am 1. Mai in Berlin

Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine breite Mobilisierung zu den Protesten rund um den 1.Mai. Und auch dieses Jahr geht es um weit mehr als soziale Reformen in einem vermeintlichen „sozialen Staat“. Es geht nicht darum, Forderungen an Herrschende zu formulieren, sondern darum Herrschaft abzuschaffen!

Natürlich ist der 1. Mai nicht der Dreh- und Angelpunkt revolutionärer Bestrebungen und wir werden hier wohl kaum einen Umsturz vom Zaun brechen. Doch mit der Formulierung unserer Ziele werden wir davon kein Stück abweichen!

Wir müssen an diesem Tag auf die Straße gehen um den Herrschenden zu zeigen, dass wir nicht länger gewillt sind, uns ihnen zu unterwerfen.

Der 1. Mai ist nach wie vor in der Lage eine Masse Mensch zu mobilisieren, die andere Ereignisse kaum schaffen auf die Straße zu locken. Als diese taktische Masse können wir uns Handlungsräume erschaffen die uns bei „kleineren Demonstrationen“ und anderen Anlässen leider versagt bleiben. Zum Anderen formierte sich um den 1. Mai schon lange ein spektrenübergreifender Protest. In diesem haben wir als Autonome, Anarchist_innen, Squatter_innen, Antiautoritäre oder wie wir uns auch immer nennen wollen, in den letzten Jahren immer mehr an Präsenz verloren. Die politischen Inhalte unseres Protestes wurden immer mehr aufgeweicht und verbanden sich in der öffentlichen Wahrnehmung entweder mit DGB und Konsorten zu minimal-reformistischen Forderungen in einem klaren Bekenntnis zu neoliberaler Finanz- und Wirtschaftspolitik oder wurden zu einer „linksradikalen“ Klassenkampfpolemik zusammenkonstruiert.

Wir können uns weder in Forderungen nach „gleichem (billig)Lohn auch für Leiharbeiter_innen“ noch nach „alle Macht dem Proletariat“ wiederfinden.

Wir können eine Befreiung des Lebens nur in der absoluten Negation von Macht und Herrschaft erkämpfen!

Das diese „Mächtigen“ nur herrschen können, weil der Großteil der Menschen gewillt ist sich beherrschen zu lassen, haben inzwischen immer mehr Menschen erkannt. Überall brodelt es deshalb auf der Welt. Überall begeben sich deshalb Menschen in klare Konfrontation mit Staat und Kapital. Viele Regierungen müssen deswegen näher zusammen rücken um gemeinsam gegen die Menschen vorzugehen, die gegen das Regiert-werden kämpfen. Seit Jahren trainieren EU und Nato die Niederschlagung sozialer Aufstände und schotten die Grenzen ab, weil sie genau wissen, dass sie mit dem Rücken immer mehr Richtung Wand gedrängt werden. Um so mehr der Staat dabei unter Druck gerät, um so offener und härter wird er seine Schläge führen. Dass eine kapitalistische Logik dabei auch über Leichen geht beweist nicht zuletzt der Fall Rosemarie F. Hier hat das sogenannte „Rechtssystem“ ganz klar abgewogen: Ein Menschenleben gegen Eigentumsansprüche…

Doch gerade in Dt. ist das Eigentum unantastbar und wird mit aller Macht verteidigt!

Dabei lässt der Staat auch keine Gelegenheit aus zu beweisen dass nur er das Monopol auf die Ausübung von Gewalt besitzt.

Um dieses Monopol zu brechen müssen wir uns als erstes klar werden, dass die Kategorien von „Recht“ und „Unrecht“ von staatlicher Gesetzgebung besetzt sind. Diese Kategorisierung gilt es ebenso aufzubrechen wie die Schleier mit denen der Staat seine Angriffe auf unsere Bewegung zu kaschieren versucht.

Als Beispiel sei hier das Mayfest genannt was mit taktischer „Platzbesetzung“ und Medienpropaganda versucht eine Befriedung der Proteste zu erreichen. Mit Bier und Bratwurst statt Steinen und Hasskappen wollen Bullen und Senat soziale Spannungen mit einer großen Party überlagern. Welchen Zustand soll es an diesem Tag aber zu feiern geben?

Diesen altbewährten und neu entwickelten Angriffen des Staates müssen wir neue und unkonventionelle Strategien entgegensetzten. Diese gemeinsam zu entwickeln muss ein Ziel einer radikalen Bewegung sein!

In diesem Sinne:

Kommt alle zu Demo am 1. Mai und seit kreativ!

Lasst uns den Widerstand in kollektiven Momenten entfalten und aus ihrer Logik ausbrechen!

Für die Anarchie!

 

18:00h Lausitzer Platz ; wir sehen uns im schwarzen Block!

 

Eure Rigaer94

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Da für den 14.02.2013 eine Zwangsräumung in der Lausitzer Straße angesetzt ist schließen wir die Kad(t)erschmiede am Mittwoch dem 13.02.2013 schon um 24h, damit nächsten morgen auch alle fit sind.

Vorher findet ab 22h eine Veranstalltung zum Polizeikongress statt.

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Redebeitrag zur L14 Demo 2.2.2013

Vor genau 2 Jahren, am 2. Februar 2011 hat die Lila GmbH unter Führung von Suitbert Beulker und Edwin Thöne das Haus in der Liebigstraße 14 räumen lassen.

Ein Großaufgebot von Schweinen hatte an diesem Tag den ganzen Kiez besetzt um mit massivem Einsatz physischer Gewalt die Bewohnerinnen und Bewohner ihrer Wohnung zu berauben. Dieser Tag war wieder ein schöner Beweis dafür, dass die menschlichen Rechte auf Wohnung und freies Leben einen Scheißdreck wert sind, im Gegensatz zur Akkumulation von Kapital, welche dem Kapitalismus immanent ist.

Suitbert Beulker ist dabei kein Unbekannter. Auch das Haus in der Rigaerstraße 94 mit der Ka(d)terschmiede und dem Hausprojekt Rigaer94 wird seit langem von Beulker terrorisiert. Das Beulker nun schon seit Jahren unter Polizeischutz steht ist dabei nicht das Einzige doch aber ein klares Zeichen, auf welcher Seite der Staat dabei steht.

Aber auch der Umstand, dass die Räumung bzw. der Bulleneinsatz unter einer rot/roten Landesregierung durchgeführt wurde sollte auch der und dem Letzten aufzeigen, dass eine Regierung, egal welche Partei sie nun stellt, immer in direkter Feindschaft mit Selbstbestimmung und Freiheit steht.

In guter deutscher Tradition wird der Wille der „Mächtigen“ gegen alles und Jede mit absoluter Gewalt durchgesetzt!

Jedoch gibt es noch weit mehr Menschen, die von dieser Räumung zu profitieren versuchen.

Während sich viele potentielle Interessierte an den Wohnungen in der Rigaerstraße 96 Seitenflügel (wie die Liebig 14 jetzt umbenannt wurde) erkundigten und nach dem sie erfahren haben, was es mit diesem Haus auf sich hat, auch gleich ihr Mietinteresse zurück gegangen ist, gab und gibt es doch immer wieder Menschen die darauf scheißen. Menschen die lieber hinter dicken Türen und Panzerglas leben, als ihre Rolle als Profiteure der staatlichen Verdrängungspolitik zu reflektieren.

Das Beulker dann auch noch einen Kindergarten in das Erdgeschoss einmietet als Schutz gegen eingehauene Scheiben setzt dem Topf dann noch den Deckel auf.

Doch in diesem Topf brodelt es…

eingeschlagene Scheiben, Farbanschläge, Einschusslöcher, abgetragene Dächer, Brandanschläge… Sind Zeugnisse des Versucht die Eindringende Ignoranz vom Dorfplatz zu vertreiben und gegenseitige Solidarität statt Spießbürgertum und touristische Rentabilität als Grundlage eines nachbarschaftlichen Zusammenlebens zu rekultivieren. Immer mehr schlägt dem jedoch eine geschlossene Front aus ehemaliger Liebig 14, Pissehauslofts und Ferienwohnungen entgegen, deren Interesse im besten falle noch daran besteht „alternatives Leben“ von außen wie Tiere im Zoo zu begaffen! Ansonsten sind Sicherheit, Partyhedonismus und kommerzielle Rentabilität, eher die Themen des „neuen hippen Rigaer-Liebigkiezes“.

Dieses Konzept scheint bei allerlei LuxusinvestorInnen anklang zu finden. Ob Eldenar Höfe, Dolziger Höfe oder Rigaerpark und Schlachthofsiedlungen… überall sprießen Luxuswohnprojekte wie Pilze aus dem Boden! Und immer wieder versuchen sie eine ruhige, sichere Lage, mit zunehmender Kameraüberwachung und verstärkter Bullenbestreifung zu vermitteln.

Oder, wenn das nicht zieht, verweisen sie auf das ausgeprägte Nachtleben im hippen Partykiez… je nachdem, was gerade verkaufsversprechender ist.

Wir sind aber nicht Hipp und eure Sicherheitsphantasien werden wir zu verhindern wissen!

Wir lassen uns nicht so einfach weggentrifizieren. Denn wir werden weiter Kämpfen und wir versprechen… Es wird noch einige unsichere Nächte geben, denn wir sind Viele, wir sind überall und wir werden uns nehmen, was wir brauchen!

Eure Rigaer94 and friends

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Aufruf gegen den Polizeikongress 2013

Am 19./20. 02. 2013 findet erneut der europäische Polizeikongress in berlin statt.
Ein Ereigniss, bei dem Militär, Polizeibehörden, Justiz, Sicherheitsunternehmen und weitere Repressionsorgane aus ganz Europa zusammenkommen, um gemeinsam mit VertreterInnen von Wirtschaft und Nationalstaaten zu disskutieren und sich auszutauschen, wie die Politik in Europa noch effektiver kapitalistischen Logiken folgen und diese gegen den Willen der Menschen durchsetzen kann.
Im Zentrum des Polizeikongresses 2013 stehen die Themen „Behördenvernetzung“ und „Datenverarbeitung“. Im Kontext der Repression bedeutet dies eine flächendeckendere und einfachere Überwachung der Bevölkerung.
So befassen sich EDV Firmen wie IBM, Optimal Systems und andere mit der Frage, wie ein Informationsaustausch zwischen polizei-, Justiz-, und „Sozialbehörden“ effektiver gestaltet werden kann.
Ziel ist die Organisation einer noch besseren Überwachung aller Bereiche des Privatlebens durch Geheimdienste und Polizei. Realisiert wird dies beispielsweise durch Video- und Onlineüberwachung.
Es geht beim Kongres aber um weit mehr als nur EDV.
Fragestellungen wie „Die Frage nach der effektivsten Möglichkeit, wiederstand einzelner oder von Gruppen zu brechen“ sind Teil der Staatlichen Totalkontrollphantasie.
Hier zeigt sich die Verbindung von Staat und Kapital all zu deutlich, denn Firmen wie „Taser“ stellen ihre Waffen aus.
Ein witere wichtiger Punkt, ist der informelle Austausch, d.h. die Weitergabe von Erfahrungen der Repressionsorgane unterschiedlichen Länder. Gerade zum Thema Aufstandsbekämpfung und dem damit zusammenhängenden Komplex „Urban Warfere“, gibt es schon jetzt eine rege Zusammenarbeit der unterschiedlichen nationalen Sicherheitsbehörden.
Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Sicherheitsbehörden der unterschiedlicher Nationen zusammen das Niederschlagen von Aufständen, vorallem in den Städten, traininren und Konzepte austauschen. Sowohl im Zuge von Nato übungen als auch bei der militärischen und polizeilichen Ausbildung befreundeter Staaten ist Deutschland dabei ganz vorne. Erkennen kann mensch dies beispielsweise in Athen, wo die Bullen ihre Taktik total verändert haben. Begleitende Spaliere und schnelle Bewegungen kleiner agieler Trupps sind das Ergebnis eines umfassenden Austauschs der griechischen Einheiten mit deutschen und französischen Bullen.
Der Grund für dieses gesteigerte Interesse am Kapf gegen die Bevölkerungen liegt auf der Hand, bzw. liegt auf der Bank.
Die weltweite wirtschaftliche Lage wirkt sich auf viele Länder destabiliesiernd aus.
Der erhöhte Spardruck in fast allen Staaten durch Gläubiger anderer Staaten und EZB führt zu einer radikalen Verschlechterung unserer Lebensumstände und somit zu hohen sozialen Spannungen. In vielen europäischen Ländern gehen die Menschen dagegen auf die Straße und formieren breiten Widerstand gegen die jeweiligen Regiereungen.
Die deutsche Bevölkerung ist hierbei ein unrühmliches Beispiel, da die Menschen hier wohl eher obrigkeitshörig verhungern, als sich zu erheben und für ihr Recht zu kämpfen.
Das die Regierungen trotz knapper Kassen weiter aufrüsten, zeigt welche Angst ihnen unsere Proteste einjagen.

Zeigen wir ihnen das ihre Ängste berechtigt sind!
Machen Wir den Polizeikongres 2013 zum Desaster!

Kommt zur Demo am 16.02.2013!
Bereite Aktionen für den 19. und 20.02.2013 vor!

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Solidarität mit der Villa Amalias

Geschockt und in tiefer Trauer haben wir gestern von der Räumung der Villa Amalias in Athen erfahren.

Einige von uns kennen das Haus und die meisten haben vieles drüber gehört oder gelesen.

Im Allgemeinen wird hier in Berlin der Kampf gegen den griechischen Staat und dessen Entwicklung in Richtung eines Faschistischen Regimes mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Daher wich die Trauer schnell der Wut!

Wut über den Angriff der Schweine auf die Villa, Wut über die dreisten Lügen die Staat und Presse verbreiten und Wut über die Attacke eines zunehmend repressiv Agierenden Systems auf diejenigen, die sich dem Kampf gegen Macht und Kapital verschrieben haben!

Euer Kampf muss weiter gehen! Mit dieser Aktion hat der Staat seinen Verbündeten, den Nazis von Goldener Morgenröte, einen Wichtigen strategischen Sieg eingefahren. Doch dieses Gefühl der Überlegenheit wird ihnen schnell vergehen, denn wir wissen, dass werdet ihr nicht auf euch sitzen lassen!

Ihr werdet euch zurücknehmen, was die euch gestohlen haben!

Dabei könnt ihr auf unsere Unterstützung hoffen, wo es uns möglich ist und ihr könnt euch unserer uneingeschränkten Solidarität gewiss sein!

 

Solidarität darf keine Grenzen kennen!

Für ein Leben ohne Macht und Herrschaft!

 

Für die Anarchie!

 

Bewohnerinnen und Bewohner der Rigaerstraße 94

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In english:

 

Hearing the news about the eviction of Villa Amalias left us in shock and grief.

Some of us know the house and most people have heard about the project.

In Berlin, there is generally a huge interest in following news about the struggle against the greek state and it’s development towards fascism.

This is why the grief was soon replaced by rage!

Rage about the pigs attacking the Villa, rage about the bold lies of state and press and rage about the increased attacks by the more and more repressive system against those who fight against power and capital!

Your struggle must go on! With this action the state helped it’s allies of Golden Dawn to gain a strategic victory. But their feeling of superiority won’t last, as we know you will not leave it with that!

You will take what back what they have stolen!

In this, you will have our support where possible and you can count on our absolute solidarity!

 

Solidarity have no borders!

For a live without repressive power and authority!

Towards anarchy!

 

Yours, Rigaer94

Rassismus tötet - Deutschland verrecke! Transpi aufm Dorfplatz August 2012

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Hallo Demo, Anwohnerinnen und Anwohner!
Wir sind die Rigaer94, ein bedrohtes Hausprojekt in Friedrichshain, dass einem korrupten
Soziopathen mit Namen Suitbert Beulker gehört, der im Februar letzten Jahres mit aller Gewalt die
Räumung des Hausprojekts Liebig14 durchgesetzt hat, welches damals bereit war, ihm das Haus
abzukaufen. Skrupellose Eigentumsfetischisten wie Beulker oder vom Menschen völlig entfernte
Investionssoziopathen, das sind die Partner auf die das moderne Berlin baut und die sich hier frei
austoben können – über Jahre ermöglicht durch den rot-roten Senat.
Der Wind in der Stadt hat jedoch, im Umgang mit dem Thema Gentrifizierung in den letzten drei
Jahren merklich gedreht. Wir haben es noch in den Ohren, wie sie sagten, Luxusautos zu
verbrennen, das sei „unpolitisch“, das Werk von Gewalttäterinnen und Chaoten denen es nicht um
Inhalte geht. Farbbeutel wurden Delikte für den Staatsschutz, das Räumen von Menschen aus ihren
Wohnungen eine Aufgabe für einen hochgerüsteten Polizeiapperat. Gleichzeitig sahen wir, wie ein
Haus nach dem anderen „luxussaniert“ wurde, sahen Townhouses und Carloft. Sahen wie sie
während sie uns vertreiben, auf perfideste Art und Weise mit uns Werbung machten. Wir sahen
voller Wut und mit geballter Faust wie Menschen aus ihren Wohnungen von dreisten
Vermieterinnen und Investoren mit allen – auch gerne rechtswidrigen – Mitteln rausgeekelt wurden.
Sie hatten die Frechheit uns vorzuwerfen, das wir bestimmen wollen, wer wo lebt. Dabei
unterschlagen sie einen wesentlichen Aspekt: Die, die das Geld haben entscheiden wer wo lebt –
unsere bescheidene Antwort darauf war lediglich das Recht auf Widerstand. Dieses Recht auf
Widerstand nehmen wir uns und werden sicher nicht auf die Idee kommen, höflich danach zu
fragen! Und dieses Recht sollten sich alle zu Eigen machen, die der Profitlogik und
Gewinnmaximierung ein Recht auf Wohnen, ein Recht auf Stadt, ein soziales Leben entgegensetzen
wollen.
Wir haben die ehemalige SPD-Mietervertreiberin Junge-Reyer noch in den Ohren wie sie von
entspannten Märkten spricht. Wie sie Berlin mit Städten wie New York, dem plastischem London
oder dem langweiligen München verglichen, und außer Acht ließen was diese Stadt ausmacht, und
vor allem, dass das was sie ausmacht nicht die Finanzkraft ist. Sowieso sind die Berliner
Einkommen im Bundesvergleich unter den Großstädten die Geringsten. Bis zum Erbrechen wurde
vermieden die Fakten auf den Tisch zu legen und sich einzugestehen: Berlin wird teurer, teurer, und
teurer! Während Wowereit sich einst die einfältige Rechnung machte, das teure Mieten ein Zeichen
für steigenden Wohlstand seien, beschwerten sich die Berliner Randbezirke über die steigende Zahl
der Erwerbslosen die aus der Innenstadt verdrängt in Stadtteile wie Marzahn oder Spandau ziehen
mussten. Doch nach drei Jahren haben auch die Medien die Sensibilität erhöht, fangen an sich zu
Empören. Es scheint manchmal fast ein Gewinn zu sein, wenn Zeitungen nach Besetzungen auf die
angespannte Wohnungsmarktlage aufmerksam machen, anstatt flach und dummhörig wieder über
Chaoten zu schwadronieren. Wenn sie Mieterinnen eine Stimme geben, wie den Bewohnern eines
Moabiter Mietshausen, denen vom Vermieter die Fenster zugemauert wurden während nebenan
„Gehobenes Wohnen“ entsteht. Eine offene Kampfansage an die Bewohnerinnen.
Dennoch, es gibt Hoffungsschimmer, und solange sich Menschen wehren, ist dieser Kampf nicht
einfach ad Acta gelegt. Letztlich stimmt uns positiv, wie viele Mieterinnen sich mittlerweile
organisieren. Auch diese Demo heute ist ein guter Ansatz dafür, auch wenn sie nur der
Motivationsschub sein kann, für engagierte Arbeit und Stadtteilpolitik, die wichtig ist, wenn wir
auch in Zukunft gemeinsam hier leben wollen. Wir „Linken“, wir „Autonomen“, wir sind in erste
Linie auch nur Nachbarinnen und Nachbarn. Genau so sollten wir uns auch begegnen, auch wenn
das nicht immer leicht fällt. Im Kampf gegen die Gentrifizierung wählen wir vielleicht Mittel, die
nicht allen gefallen, aber wenn wir zurück schauen, meinen wir – Ohne die Momente in denen es
bei den Profiteuren und Unterstützern von Verdrängung, Armut und Zwangsmaßnahmen nicht
knallt, ohne die schiere Wut die sich bei Räumungen, bei Luxussanierungen und Verdrängung
entlädt: Niemand hätte ernsthafte Notiz daran genommen. Unsere Prämisse dabei – es sollte immer
die Richtigen treffen!
Nun, da die Problematik der steigenden Mietpreise nicht zu leugnen ist, und eine Mieterbewegung
sich im weiteren Entstehungsprozess befindet, wo RentnerInnen anfangen zu besetzen und in
Kreuzberg ein ganzer Block sich gegen die gewalttätige Vertreibung wehrt, wo das Guggenheim
Lab heulend abdampfen musste, sagen wir: Es muss weiter gehen, wir machen weiter!
Ob friedlich oder militant, entscheidend ist der Widerstand!
Neukölln für Alle – Rigaer94 bleibt!

Mal wieder eine Demo. Und mal wieder sind wir stinksauer. Warum? Nerven die Bullen? Nerven die glotzenden Unbeteiligten, die schonmal für das nächste größere Spiel die Deutschlandfahne schwenken üben? Sicher, die nerven. Aber heute ärgern wir uns auch über Leute innerhalb der Demo. Denn immer öfter flattern uns in letzter Zeit Nationalfahnen um die Ohren. Dabei hatten wir eigentlich das Gefühl, dass diese Zeiten langsam der Vergangenheit angehören.

Dieser „backlash“ ist für uns ein Anlass, das Thema „Nationalfahnen auf Demos“ einmal genauer zu betrachten.

Es ist klar, dass Menschen jeweils sehr Unterschiedliches mit den verschiedenen Nationalfahnen verbinden. Da kann es um Widerstand gehen, um Befreiung, um Mahnung an die Geschichte etc. Die spannende Frage ist für uns jedoch, was eine Demo mit Nationalfahnen nach außen hin symbolisiert, welche Botschaft sie vermittelt. Denn was Individuen mit der jeweiligen Nationalfahne verbinden, die sie da mit sich herumtragen, wissen meist weder Beobachter_innen noch die übrigen Teilnehmer_innen der Demo. Klar ist nur, dass sich in irgendeiner Weise positiv auf einen Nationalstaat oder eine nationalistische Bewegung bezogen wird.

 

Staat – Nation – Nationalstaaten

Staaten sind Systeme aus öffentlichen Institutionen, die sich über ein bestimmtes Gebiet erstrecken. In ihnen wirken verschiedene Gewalten, deren Auftrag und Verfügungsmacht in der Politik ausgehandelt und bestimmt werden. Dass dies nicht in einer Art und Weise geschieht, die einem Anspruch nach Selbstbestimmung, Freiheit und Solidarität gerecht wird, kennen wohl die meisten von uns aus eigener Erfahrung. In einigen Staaten gibt es mehr Aushandlung als in anderen, doch ihnen allen gemeinsam sind Grenzen, Knäste und repressive Maßnahmen gegen Alle, die gegen die staatlich vorgegebene Ordnung opponieren.

Doch woher nimmt so ein Staat eigentlich seine Legitimation? Hier kommt die Nation ins Spiel, denn aus ihr leitet der Staat seine Rechtmäßigkeit ab.

Die Nation ist nichts Natürliches, sie wird immer wieder neu hergestellt. Dabei wird sie so präsentiert, als sei sie die Entdeckung von etwas Gegebenem und nicht die Hervorbringung von etwas Neuem. Das Sprechen über Nation bringt die nationale Identität jedoch erst hervor. Die persönliche Geschichte von Menschen wird zur Geschichte einer als homogene Einheit gedachten Gruppe von Menschen gemacht. Die Nation muss sich von ihrer Zufälligkeit und Beliebigkeit, von der Verschiedenheit ihrer Individuen befreien. Homogenität wird forciert, Menschen in Schubladen gesteckt und die Welt schließlich in ein „wir“ und „die Anderen“ eingeteilt.

Von der Herstellung dieser künstlichen Schicksalsgemeinschaft ist es nur noch ein kleiner Schritt dahin, zu behaupten dass „wir“ mehr Wert seien als „die Anderen“. Damit wird Rassismus und anderen Ideologien der Ungleichwertigkeit Vorschub geleistet. Dabei ist es letztendlich doch bloßer Zufall, wo ein Mensch geboren wurde.

In einem Nationalstaat wird bestimmt, wer dazugehört und wer nicht. Er stellt sich selbst durch die Konstruktion von sogenannten Ausländern her, vergibt Staatsbürgerschaften und kann sie auch wieder entziehen. Ein ganzer bürokratischer Apparat ist damit beschäftigt, tagtäglich das „wir“ von „den Anderen“ zu unterscheiden. Die Folgen für die Menschen, die als „die Anderen“ bezeichnet werden, sind mitunter fatal.

 

…aber wie symbolisiere ich dann auf einer Demo, dass ich mich mit bestimmten Menschen solidarisch erkläre?

Keine Frage, es gibt eine Menge Menschen auf dieser Welt die ganz tief in der Scheiße sitzen, und für die ein Nationalstaat kurzfristig eine Verbesserung ihrer Situation bedeuten könnte. Doch kann das aus einer emanzipatorischen Perspektive heraus wirklich ein zu verfolgender Ansatz sein?

Wir sagen da ganz klar „nein“! Wenn es um Diskriminierung und Verfolgung geht, sollte es das Ziel sein, diese zu beenden und nicht, sich durch ein weiteres nationales Konstrukt abzuschotten bzw. neue Ausschlüsse zu produzieren.

Das ist sehr viel leichter gesagt als getan. Rassismus, Antisemitismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit zu beseitigen ist ein harter, langer und niemals wirklich abzuschließender Prozess. Statt dessen einen Nationalstaat zu fordern kommt jedoch einer Kapitulation vor dem Problem gleich.

Und seien wir doch einmal ehrlich: Nationalstaaten existieren ohnehin ohne unser Zutun. Wenn sich neue Gründen, dann werden sie das höchstwahrscheinlich ohne unsere Unterstützung tun. Was wir als emanzipatorische Bewegung tun können, ist, die Probleme beim Namen zu nennen, gesellschaftliche Verhältnisse zu thematisieren und auch unsere ganz persönlichen Ein- und Ausschlüssen zu bearbeiten.

Anstatt also auf einer Demo eine Nationalfahne zu schwenken, könnte die Beendigung eines bestimmten menschenverachtenden Zustandes gefordert werden.

 

In diesem Sinne, für weniger Realpolitik und mehr konkrete Utopie!

No Border, no Nation!

Eure fleißigen Demogänger_innen aus der Rigaer94

 

 

R94 Soliparty im Supamolly 11.05.2012

Nach der Razzia in der Rigaer 94 trudelt nun langsam die Bullen-Post ein und es wird wohl ziemlich teuer. Also kommt fleißig und feiert solidarisch mit uns!
Es spielen “Kami Ada” (Intercontinental HC/Punk) und “Fox Devils Wild” (80s scavange Punk), danach legen auf: Hip Hop B (Electrifying Electro), Trashtante (Favourites Frenzy) und DJ Shuffle (Treble Trash). Außerdem gibt es Cocktails und andere Geränke.

11.05.2012   ||   21:00   ||   Supamolly

Jessnerstr. 41, 10247 Berlin
(U + S – Bhf. Frankfurter Allee)

 

Rigaer94 und Kaderschmiede verteidigen!

Aber was meinen wir damit eigentlich?

Das Wohnprojekt Rigaer94 und der Veranstaltungsraum Kaderschmiede gehören zu den letzten offen (teil-)besetzen Räumen Berlins. Wir blicken zurück auf über zwanzig Jahre Hausgeschichte, in denen wir uns gegen Bullen, Staat und Repression zur Wehr gesetzt haben. Der Hass beruht dabei auf Gegenseitigkeit. Seit Anfang 2008 liegen gegen die besetzten Räume gerichtliche Räumungstitel vor, die jederzeit vollstreckt werden können. Bis es soweit ist, werden wir diesem Scheiss-Staat hoffentlich noch so einiges Kopfzerbrechen bereiten.

Die Bullen lassen es sich dabei nicht nehmen, uns gelegentlich zurück zu stressen, wie beim Überfall auf die Party am 28.01.2012 geschehen. Dank der Dreckschleuder von einem Innensenator müssen wir damit rechnen, dass dies nicht der letzte Angriff war. Wir sind auf eure Unterstützung und Solidarität angewiesen, um den Cops den Spaß ordentlich zu vermiesen, ob bei einem Angriff auf unsere Partys oder bei einer Räumung! Hierzu ein paar weise Worte aus der Interim Nr. 737 zitiert:

>>Bullen handeln statisch nach festen Kriterien. Wir müssen schneller Handeln als es ihre hierarchische Struktur vermag. Nichts hassen die Einsatzleiter_innen mehr, als wenn wir in schneller Bewegung sind. Uns geht es nicht darum Raum zu besetzen, allenfalls machen wir ihn kurzfristig unpassierbar. Also in kleinen Gruppen los, was anstellen und weg! Das führt bei den Bullen zu Chaos, vergrößert ihren Einsatzraum, und sie müssen sich neu formieren.<<

Da unser Haus nicht wegrennen kann, ist es besonders hilfreich wenn die Cops durch Aktionen einige Blocks und Straßen weiter entfernt von uns abgelenkt werden. Bitte achtet dabei darauf, Unbeteiligte nicht zu gefährden. Und natürlich gilt: danach nicht direkt zurück zum Haus! Sonst war die Ablenkungsaktion umsonst.

Je teurer so ein Angriff die Bullen und der Staat zu stehen kommt, desto eher überlegen sie sich, ob sie uns oder andere Projekte nochmal angreifen. Treiben wir den Preis gemeinsam in die Höhe! Wir hoffen auch in den nächsten zwanzig Jahren gegen Bullen, Staat und Kapitalismus auf eure Unterstützung und Solidarität!!